Warum lebende Mikroorganismen trotzdem vegan sind

25. Mai 2021

Warum lebende Mikroorganismen trotzdem vegan sind

Veröffentlicht von Melanie Budde. Medizinisch wissenschaftliche Mitarbeiterin

Was ist eine vegane Lebensweise?

Dass Menschen sich für eine vegane Lebensweise entscheiden, kann beispielsweise ethisch, moralisch oder gesundheitlich begründet sein. Veganer ernähren sich meist nicht nur frei von jeglichen tierischen Erzeugnissen, sondern verzichten auf alle Produkte, die vom Tier stammen, wie z.B. Kleidung aus Leder. Während Vegetarier in ihrer Ernährung auf Fisch und Fleisch verzichten, verzichten Veganer auch auf Eier, Milch und Honig. Veganer könnten sich die interessante Frage stellen, ob Lebensmittel mit lebenden Mikroorganismen, wie z.B. Sojajoghurt oder Brottrunk, vegan sind. 

 

Was sind Mikroorganismen?

Mikroorganismen (Umgangssprache Mikroben) sind überall in der Natur anzutreffen und ohne sie wäre ein Leben nicht möglich. Es sind Kleinstlebewesen, die aus einzelnen Zellen oder Zellaggregaten bestehen, die mit dem bloßem Auge nicht erkannt werden. Zu den Mikroorganismen zählen Bakterien, Mikroalgen, Pilze und Hefen. Zudem zählen Viren aufgrund ihrer Größe zu den Mikroorganismen. Die Eigenschaften von Mikroorganismen werden in verschiedenen Bereichen genutzt (z.B. Lebensmittelmikrobiologie, Biotechnologie, usw.). Beispielsweise wird mit Hilfe von Milchsäurebakterien aus Milch Joghurt hergestellt. Lebensmittel, die besonders viele gesunde Mikroorganismen enthalten, werden als „probiotisch“ (Griechisch: “für das Leben”) bezeichnet und stärken sowohl das Darmmikrobiom (früher Darmflora) als auch das Immunsystem und haben noch viele weitere positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Einige Mikroorganismen können vor Erkrankungen schützen (z.B. Darmbakterien), andere Mikroorganismen können Krankheiten auslösen, z.B. Yersinia pestis, dieses Bakterium löste die die Pest im Mittelalter aus.  

Sind lebende Mikroorganismen für eine vegane Ernährung geeignet?

Wir sprechen zwar von lebenden Mikroorganismen, dennoch sind Mikroorganismen keine Tiere, da sie kein zentrales Nervensystem besitzen. Sie empfinden kein Leid, wie Tiere und haben kein Bewusstsein, der Definition nach sind sie somit vegan. Auch der Name „Milchsäure“ (Milchsäurebakterien) kann irritieren. Die Milchsäure enthält aber keine Milch, sondern wurde im Jahre 1780 vom Chemiker Carl Wilhelm Scheele zum ersten Mal in der Milch nachgewiesen. Daher stammt der Name „Milchsäure“. Lebensmittel wie Honigmelone oder Kakaobutter sind ebenfalls vegan, dennoch führt der Name in die Irre. Milchsäure entsteht, wenn stärke- und zuckerhaltige Lebensmittel durch Mikroorganismen fermentiert werden. 

Nach weit verbreiteter Theorie gibt es drei Domänen des Lebens: Bakterien und Archaeen (ugs. “Urbakterien”) und den Eukaryoten (Tiere, Pflanzen und Pilze). Diese Abbildung (Der Stammbaum des Lebens) verdeutlicht, dass Bakterien weder zu den Tieren, Pflanzen oder Pilzen gehören, sondern ihr eigenes Reich bilden. In der systemischen Einteilung der Lebewesen, lassen sich Bakterien und Archaeen den Prokaryoten zuordnen. Lebewesen mit einem Zellkern bilden eine eigenständige Domäne: die Eukaryoten. Bakterien besitzen keinen Zellkern. Die Bakterien besitzen ein Kernäquivalent Nucleoid, welches ein ringförmiges DNA-Molekül ist und frei im Zellplasma schwimmt und die Erbinformation trägt. Auch im Aufbau der Zellwand gibt es Unterschiede zwischen Eukaryoten und Prokaryoten. Alle Bakterien bestehen aus dem Baustein Murein, im Gegensatz dazu enthalten die Zellwände der Eukaryoten das Polysaccharid (Mehrfachzucker) Cellulose. Bakterien treten häufig in Kolonien mit vielen anderen Mikroorganismen auf.  

 

Sodbrennen und Reflux

Mikroorganismen wie z.B. Bakterien sind vegan. Sie besitzen kein zentrales Nervensystem, haben kein Bewusstsein und unterscheiden sich auch anatomisch grundlegend von den Eukaryoten. Daher können vegan lebende Personen Lebensmittel wie Joghurt (Kokos-, Sojajoghurt, etc.), Brottrunk oder auch Nahrungsergänzungsmittel mit Bakterien ohne schlechtes Gewissen verzehren und von ihrem gesundheitlichen Nutzen profitieren.  


Älterer Post Neuerer Post