Sexualität und Probitika

26. August 2021

Sexualität und Probiotika

Veröffentlicht von Inga Riffelmann. Medizinisch wissenschaftliche Mitarbeiterin

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Bakterien: unsichtbar und überall 

Haben Sie sich bereits mit der Darmmikrobiota (Darmbakterien) beschäftigt? Wenn ja, dann sind Sie bestimmt darauf gestoßen, dass nicht nur unser Darm besiedelt ist, sondern unser gesamter Körper. Auf der Haut befinden sich die Hautbakterien, der Mund ist mit der Mundmikrobiota besiedelt und in der Scheide leben Vaginalbakterien. Im Zusammenhang mit der Scheidenmikrobiota werden häufig die Döderlein’schen Stäbchen erwähnt.
Diese Gruppe
von 
Lactobacillen besiedelt auf natürliche Weise die Vaginalschleimhäute und sorgt für einen sauren pH-Wert. Dieses saure pH-Milieu sorgt dafür, dass krankmachende Bakterien sich nicht an die Schleimhäute anheften können.
 


Küssen fördert das Immunsystem

Studien belegen, inniges Küssen mit Zungenkontakt tauscht innerhalb von 10 Sekunden rund 80 Millionen Bakterien aus. Das fördert nicht nur die Diversität der Bakterien, sondern dadurch wird unser Immunsystem zusätzlich gefördert. Je öfter sich Paare küssen, umso ähnlicher wird ihre Mundmikrobiota! 

Bakterieller Austausch beim Sex 

Jetzt drängt sich die Frage auf, ob dieser Austausch auch auf anderen Schleimhäuten stattfindet und Sex Bakteriengruppen überträgt. Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Gruppe Forscher um Miguel Carda-Diéguez. Sie untersuchten in einem Fallbeispiel ein heterosexuales Pärchen, welches unter wiederholten vaginalen und oralen Infektionen nach dem Geschlechtsverkehr litt. Die Wissenschaftler stellten sich die Frage, welchen Effekt oraler und vaginaler Sex auf die Mikrobiota hat.  

Dazu nahmen die Wissenschaftler Genitalabstriche vor dem Sex und vier Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. Um ausschließen zu können, dass nicht durch direkten genitalen Kontakt mikrobielle Veränderungen eintraten, wurden zusätzliche Proben nach geschütztem Sex genommen (geschützt durch Kondome). Natürlich wurden ebenfalls Proben genommen, bevor der Geschlechtsverkehr überhaupt stattfand. Letztere Daten zeigten, dass beide Probanden eine stabile Mikrobiota hatten. Corynebacterium und Lactobacillen waren die größten vorhandenen Bakteriengruppen. Nach sexuellen Handlungen sank die Gruppe der Lactobacillen von 90 auf 45%. Der Penis zeigte, dass Corynebacterien anstiegen von 33 auf 52%. Interessanterweise stieg die Anzahl an Prevotella und Atopobium an. Diese zwei Bakteriengruppen sind häufig für bakterielle Scheideninfektionen verantwortlich. Die Probenentnahme nach vier Tagen zeigte, dass sich nach einigen Tagen die Mikrobiota v.a. in der Vagina nicht veränderte. Verhütet man mit Kondomen findet keine Übertragung von Bakteriengruppen statt. Daher kann man davon ausgehen, dass eine Übertragung der Genitalmikrobiota bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr stattfindet und über einige Tage bei dem Partner nachweisbar ist.  

Bei der Mundmikrobiota sieht es ähnlich aus. Hier fanden die Forscher signifikante Veränderungen bei den Gruppen der Streptococcen und Lactobacillen.  



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Gesund bleiben mit probiotischen Bakterien

Der Austausch von Bakterien gehört bei jedem Körperkontakt dazu. Dennoch brauchen Sie keine Angst haben, denn diese Bakterien fördern das Immunsystem. Sollten Sie doch mal Probleme mit vaginalen oder oralen Infektionen haben, dann unterstützen Sie ihren Körper zusätzlich mit probiotischen Präparaten. Diese enthalten nützliche Bakterien, die natürlich auf den jeweiligen Schleimhäuten vorkommen und krankmachende Bakterien verdrängen. Zudem fördern sie das Immunsystem und sorgen für die langfristige Erhaltung der Gesundheit.  

Fazit

Bei diesem Fallbeispiel handelt es sich um ein einzigartiges Pilotprojekt. Daher ist die Datenlage sehr gering und es müssen weitere Studien erfolgen. Dennoch zeigt es, wie bereits die Kussstudien belegen, dass mikrobieller Transfer durch ungeschützten Geschlechtsverkehr möglich ist. Es resultiert eine Verschiebung im bakteriellen Gleichgewicht und orale, sowie vaginale Erkrankungen können gefördert werden. Eine Unterstützung mit probiotischen Präparaten ist daher sinnvoll. Diese unterstützen die Bakterien im Vaginal- und im Mundbereich, indem sie krankmachende Bakterien verdrängen und das Immunsystem fördern.  

Also haben Sie Spaß und küssen Sie ihren Partner was das Zeug hält, denn es macht nicht nur glücklich, sondern fördert die Bakterienbesiedlung und das Immunsystem!  


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