Bauchhirn - Wie die Psyche den Darm beeinflusst

Bauchhirn - Wie die Psyche den Darm beeinflusst

Inga Riffelmann

Was ist das Bauchhirn?

Die meisten Menschen verbinden mit dem Darm wahrscheinlich nur ein Rohr, in dem Lebensmittel verdaut und am Ende mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Dabei hat er viel mehr zu bieten, denn mit über 80% aller Immunzellen unseres Körpers ist er auch unser größtes Immunorgan. Außerdem ist der Darm mit über 100.000 Nervenzellen ausgestattet, die das Bauchhirn (enterisches Nervensystem) bilden und intensiv mit unserem Gehirn kommunizieren.

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Aufgaben des enterischen Nervensystems

Die Aufgaben des enterischen Nervensystems sind vielfältig. Zum einen findet eine Kommunikation mit dem Immunsystem und mit der Darmmikrobiota (veraltet Darmflora) statt. Zum anderen werden die Darmbewegungen (enterische Motilität) darüber sichergestellt und die Produktion von Verdauungssäften angeregt.

Forschungsprojekte zur Darm-Hirnachse (Bauchhirn)

Bereits im Jahr 2000 gab es die ersten Hinweise auf eine Verbindung zwischen Darm und Gehirn. In Walkerton, Kanada, infizierten sich 4.561 Personen mit Campylobacter und Escherichia coli verunreinigtem Wasser. 1.166 Personen entwickelten daraufhin einen Reizdarm sowie Ängste und Depressionen. Daraufhin folgten viele weitere Forschungsprojekte zum Thema „Darm-Hirnachse“.

80% der Informationen gehen zum Hirn

Forscher gehen mittlerweile davon aus, dass 80% der Informationen vom Darm zum Hirn vermittelt werden. Auch die Darmmikrobiota hat einen entscheidenden Einfluss auf die verschiedenen Signalwege. Die Mikrobiota kommuniziert über das Immunsystem, über das Nervensystem und sorgt für die Produktion verschiedener Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Acetylcholin.

Darm an Hirn

Forscher am Max-Planck-Institut fanden heraus, dass es zwei wichtige Nervenzelltypen gibt, die Sättigungsgefühl und Blutzuckerspiegel steuern. Der eine Zelltyp leitet Appetit-hemmende Signale an das Gehirn und verringert unseren Blutzuckerspiegel. Die anderen Nervenzellen werden vom Darm gesteuert und haben keinen Einfluss auf die Nahrungsaufnahme, sondern erhöhen unseren Blutzuckerspiegel. Diese Entdeckung könnte eine entscheidende Rolle bei neuen Therapien gegen Übergewicht und Diabetes spielen.

Gestörte Darmmikrobiota

Klinische Studien zeigen, dass eine gestörte Darmmikrobiota zu vielen Erkrankungen führen kann, die in Verbindung mit dem Gehirn stehen. Auffällig ist, dass viele Patienten Verhaltens- und kognitive Defizite aufweisen, insbesondere Lern- und Gedächtnisdefizite. Schwerwiegende Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie, Autismus und ausgeprägte Ängstlichkeit werden mit einer gestörten Darmmikrobiota assoziiert.

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Fazit

Das enterische Nervensystem ist mit über 100.000 Nervenzellen im Darm vertreten und kommuniziert sehr stark mit dem Gehirn. Klinische Studien zeigen, dass 80% der Informationen vom Darm zum Gehirn geleitet werden und dass eine Verschiebung der Mikrobiota mit schwerwiegenden Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie und Autismus zusammenhängen kann.

Quellen:

  • Wang et al. 2014: The role of microbiome in central nervous system disorders. Brain Behav Immun. 2014 May;38:1–12. doi:10.1016/j.bbi.2013.12.015.
  • Max-Planck-Gesellschaft: Darm an Hirn: Nervenzellen erkennen, was wir essen, 2. Juni 2021.
  • Anglin et al. 2015: Lost in Translation: The gut microbiota in psychiatric illness. Can J Psychiatry. 2015 Oct;60(10):460–63. doi:10.1177/070674371506001007.
  • Lima-Ojeda et al. 2017: „I am I and my bacterial circumstances“: Linking gut, microbiome, neurodevelopment and depression. Front Psychiatry. 2017;8:153. Published online 2017 Aug 22. doi:10.3389/fpsyt.2017.00153.

Über den Autor/die Autorin

Inga Riffelmann

Inga Maria Riffelmann ist Heilpraktikerin, Biologisch-Technische Assistentin (BTA) und zertifizierte Ernährungsberaterin. Mit ihrer breit gefächerten Ausbildung vereint sie naturheilkundliche Kompetenz mit fundiertem naturwissenschaftlichem Know-how. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei HLH BioPharma arbeitet sie an der Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis und bringt ihre Expertise insbesondere in die Entwicklung und Bewertung ernährungsmedizinischer Konzepte ein. Ihr besonderes Anliegen ist die ganzheitliche Gesundheit – stets mit Blick auf wissenschaftliche Grundlagen und individuelle Bedürfnisse.

Portraitaufnahme von Inga Riffelmann